„Das ist doch nur Liebeskummer“ – warum Trennungsschmerz ernst genommen werden muss

Lass uns mal ehrlich sein:
Wenn eine Beziehung endet, hören viele diesen Satz.
„Ach komm, das ist doch nur Liebeskummer. Das geht vorbei.“

Ja. Geht es. Meistens.
Aber die eigentliche Frage ist: Wie geht es vorbei – und was bleibt zurück?

Denn unbehandelter Liebeskummer kann Spuren hinterlassen. Tiefer, als viele denken. Und manchmal prägt er dein künftiges Liebesleben stärker als dir lieb ist.


Unbehandelter Liebeskummer hat weitreichende Folgen

Nach internationalen Diagnosekriterien kann Liebeskummer als Anpassungsstörung gelten. Das heißt: Ein einschneidendes Lebensereignis bringt deine Psyche aus dem Gleichgewicht.
Typisch sind Schlaflosigkeit, Grübelschleifen, emotionale Überflutung oder Rückzug – ohne dass eine andere psychische Störung voll erfüllt ist.

Wichtig dabei:
Liebeskummer ist kein Trauma im klassischen Sinn.
Weder ICD-10 noch DSM-5 stufen eine Trennung automatisch als Traumatisierung ein. Krieg, Missbrauch oder schwere Unfälle sind etwas anderes.

Und trotzdem: Manche Trennungen wirken traumaähnlich. Gerade bei Betrug, plötzlichem Verlassenwerden oder alten Bindungsverletzungen. Dr. Julie Schwartz-Gottman geht sogar so weit zu sagen, dass viele betrogene Partner Symptome entwickeln, die einer PTBS ähneln.

Trennung prägt – auch wenn sie kein Trauma ist

Menschen lernen aus Schmerz. Immer.
Nach einer Trennung entstehen Schutzstrategien: Nicht mehr lieben. Nicht mehr vertrauen. Oder den nächsten Partner fest umklammern.

Das Problem daran:
Was dich schützen soll, kann dich langfristig einsam machen.

Rainer Sachse bringt es auf den Punkt:
„Persönlichkeitsstörungen sind Beziehungsstörungen.“
Viele Schutzmechanismen entstehen aus Bindungsverletzungen – und wirken später wie automatische Programme. Für dich logisch. Für andere schwer auszuhalten.

Nach der Trennung: Arbeit mit Emotionen

Emotionen sind keine Schwäche. Sie sind deine interne Alarmanlage.
Angst will dich schützen. Wut will Grenzen setzen. Trauer will integrieren.

Nach schmerzhaften Trennungen ist diese Alarmanlage oft extrem scharf eingestellt.
Sie reagiert dann auf ein „Eichhörnchen“, als wäre es ein Säbelzahntiger.
Ein Satz, ein Geruch, ein Song – zack, Panik, Rückzug, Abwehr.

Das Ziel ist nicht, die Alarmanlage auszuschalten.
Sondern sie neu zu kalibrieren.

Trennungen sorgen für Schutzstrategien

Schutzstrategien sind nicht falsch. Sie haben dich mal gerettet.
Aber sie sind nur eine mögliche Reaktion auf Angst.

Statt automatisch zu flüchten oder anzugreifen, darfst du lernen zu sagen:
„Danke, Angst. Ich sehe dich. Ich prüfe jetzt, was wirklich los ist.“

Das ist emotionale Selbstführung. Und sie ist lernbar.

In der Liebe gibt es keine Sicherheit

Liebe bedeutet immer Risiko.
Nähe und Autonomie stehen ständig im Spannungsfeld.
Sichere Bindung heißt nicht: nie verletzt werden.
Sondern: zu wissen, dass du heilen kannst.

Menschen mit sicherer Bindung vertrauen nicht blind anderen – sie vertrauen sich selbst. Und genau das ist das größte Geschenk nach einer Trennung.

Trennungsschmerz oder seelisches Trauma?

Ein kurzer Überblick:

  • Trennungsschmerz ebbt mit der Zeit ab
  • Ein seelisches Trauma bleibt intensiv, unberechenbar und alltagsbestimmend
  • Flashbacks, Panikattacken, Vermeidung und emotionale Taubheit sind Warnzeichen


Wenn Symptome länger als sechs Monate anhalten oder dein Leben massiv einschränken, ist professionelle Hilfe kein Zeichen von Schwäche – sondern von Verantwortung.

Einladung zur Selbstreflexion

Frag dich ehrlich:

  • Geht es mir langsam besser – oder funktioniere ich nur?
  • Meide ich Nähe aus Angst?
  • Reagiere ich heute stärker, als die Situation es rechtfertigt?

Liebeskummer darf weh tun.
Aber er sollte dich nicht dauerhaft klein machen.
Wenn du merkst, dass deine Trennung dich stärker prägt, als du möchtest, dann lohnt es sich hinzuschauen. Für dich. Für deine Zukunft. Für deine Fähigkeit zu lieben.

👉 Und wenn du dabei Unterstützung willst: Du musst da nicht allein durch. Vereinbare ein unverbindliches Gespräch mit mir.

Foto von Adrian Swancar auf Unsplash